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Kennzahl

ABC-Analyse Gastronomie

Definition

Die ABC-Analyse ist eine Anwendung des Pareto-Prinzips auf das gastronomische Sortiment. Du nimmst den Wareneinsatz jedes Artikels über eine repräsentative Periode, sortierst absteigend nach Wertanteil und legst zwei Schwellen fest. Klassisch 80 Prozent kumulierter Wertanteil für die A-Klasse und 95 Prozent für die B-Klasse. Der Rest ist C.

Das Ergebnis ist eine Verteilung, in der wenige Artikel den meisten Wert tragen. In einem Vollservice-Restaurant mit 220 aktiven Artikeln sind das oft 25 bis 35 A-Artikel, die 75 Prozent des Wareneinsatzes verursachen. Diese Konzentration ist der Hebel. Wer A-Artikel sauber steuert, steuert die Wareneinsatzquote mit überschaubarem Aufwand.

Die Klassifikation steuert, wo Inventur-Aufwand, Einkaufs-Verhandlung und Kalkulations-Tiefe Priorität bekommen. Bei C-Artikeln rechnet sich der Detail-Aufwand nicht, bei A-Artikeln zahlt sich jede Stunde mehrfach aus. Einkaufs-Verhandlungen mit Lieferanten konzentrieren sich sinnvollerweise auf die A-Klasse, weil schon ein Prozent Einkaufspreis-Reduktion auf einen A-Artikel mehr Effekt hat als zehn Prozent auf einen C-Artikel. Auch die Foodcost wird primär über die A-Klasse gesteuert.

Methodik im Multi-Standort-Betrieb

Die Formel pro Artikel ist einfach. Du teilst den Verbrauchswert des Artikels durch den Gesamt-Wareneinsatz der Periode und multiplizierst mit 100. Das Ergebnis ist der Wertanteil in Prozent. Beispielrechnung. Ein Rindfleisch-Artikel mit 8.400 Euro Verbrauch in einer Periode mit 30.000 Euro Gesamt-Wareneinsatz hat einen Wertanteil von 28 Prozent und ist damit eindeutig A-Klasse.

Du rechnest pro Artikel den Anteil am Gesamt-Wareneinsatz und sortierst absteigend. Dann bildest du die kumulierte Summe von oben nach unten. Sobald die kumulierten Werte 80 Prozent erreichen, endet die A-Klasse. Bis 95 Prozent läuft die B-Klasse, der Rest ist C.

Die Schwellen 80 und 95 sind Konvention, nicht Gesetz. Manche Betriebe arbeiten mit 70 und 90 Prozent, um die A-Klasse stärker einzugrenzen. Wichtig ist Konsistenz über die Zeit und über die Standorte. Wer die Schwellen pro Periode ändert, kann Verschiebungen nicht mehr sauber interpretieren.

Bei Multi-Standort-Betrieben rechnest du sinnvollerweise zwei Sichten parallel. Eine konsolidierte Sicht über alle Standorte für zentrale Einkaufsentscheidungen und eine Standort-Sicht für lokale Steuerung. Ein Artikel kann konsolidiert A-Klasse sein und an einem einzelnen Standort C, weil das lokale Sortiment den Artikel kaum nutzt.

In der Praxis bietet sich eine zweite Auswertungs-Achse an. Die XYZ-Analyse klassifiziert nach Bedarfsschwankung. X-Artikel sind konstant nachgefragt, Z-Artikel unregelmäßig. Wer beide Achsen kombiniert, erhält neun Felder. Ein AX-Artikel ist hochwertig und konstant, also der zentrale Steuerungsfall mit täglicher Bestand-Sicht. Ein CZ-Artikel ist geringwertig und unregelmäßig, hier reicht eine einfache Mindestmenge mit Auffüll-Logik. AY- und BX-Felder bekommen eine Mittelstellung mit zweiwöchiger Inventur und automatischen Bestellvorschlägen.

Die ABC-Auswertung bringt zusätzlich eine Brücke zum Deckungsbeitrag auf Gericht-Ebene. Ein A-Artikel im Wareneinsatz, der nur in Plowhorse-Gerichten verbaut wird, kostet doppelt. Hoher Wert bei niedriger Marge ist die schmerzhafteste Kombination. Wer A-Artikel mit dem Verkaufsmix der Gerichte gegenüberstellt, findet diese Fälle systematisch und kann gezielt Rezepte oder Preise nachziehen.

Praxisbeispiel

Ein Café-Konzept mit 6 Standorten und einem Jahres-Wareneinsatz von 1,8 Millionen Euro verteilte seine Inventur-Frequenz historisch gleichmäßig. Jeder Artikel wurde monatlich gezählt, insgesamt 180 aktive SKUs pro Standort. Der Inventur-Aufwand lag bei rund 8 Stunden pro Standort und Monat.

Die erste saubere ABC-Auswertung zeigte, dass 28 Artikel 76 Prozent des Wareneinsatzes ausmachten. Dazu gehörten Espresso-Beans aus zwei Sorten, Milch in drei Varianten, vier Sirup-Sorten und neun Backware-Artikel des regionalen Lieferanten. Der Rest verteilte sich auf 152 B- und C-Artikel.

Der Operations-Manager stellte den Zyklus um. A-Artikel wöchentlich, B-Artikel zweiwöchig, C-Artikel quartalsweise. Der Inventur-Aufwand sank auf 5 Stunden pro Standort und Monat. Gleichzeitig wurde der Schwund auf Espresso-Beans nach 8 Wochen sichtbar, weil die wöchentliche Zählung Abweichungen früher zeigte. Eine Anpassung der Bezugsmengen und ein neuer Lagerverschluss reduzierten den Schwund von 3,1 Prozent auf 1,4 Prozent. Bei 240.000 Euro Jahres-Wareneinsatz auf Espresso-Beans entsprach das rund 4.080 Euro Einsparung pro Jahr, allein durch die Frequenz-Umstellung auf den A-Klasse-Artikel.

Ein zweiter Effekt entstand aus der Lieferanten-Verhandlung. Mit der ABC-Auswertung konnte die Operations-Leitung die 28 A-Artikel pro Standort genau beziffern und mit Jahresvolumen unterlegen. In der nächsten Verhandlungsrunde mit dem Backware-Lieferanten führte das zu einer Rabatt-Anpassung von 2,4 Prozent auf die A-Klasse-Artikel, im Gegenzug für eine Bezugs-Garantie. Bei 380.000 Euro Jahres-Volumen auf diese Linie entsprach das rund 9.120 Euro zusätzliche Einsparung. Die ABC-Klassifikation hatte damit nicht nur die Inventur-Frequenz optimiert, sondern auch eine sachliche Grundlage für die Einkaufsverhandlung geliefert.

Häufige Fehler

  • Klassifikation läuft auf Basis von Einkaufsvolumen statt Verbrauch. Wer im Januar 100 Kilogramm Kakao kauft und über das Jahr verteilt verbraucht, sieht den Artikel im Januar als A-Klasse und im Juli als C-Klasse. Maßgeblich ist der Verbrauch pro Periode.
  • C-Artikel werden komplett ignoriert. Auch im Long-Tail finden sich oft 2 bis 3 Artikel mit hoher Schwund-Anfälligkeit oder Sicherheits-Relevanz, die trotz geringem Wertanteil engmaschige Kontrolle brauchen.
  • Schwellen werden pro Periode geändert. Damit verlierst du die Vergleichbarkeit der Verschiebungen zwischen den Klassen.
  • Standorte mit unterschiedlichem Sortiment werden über eine einheitliche Klassen-Liste gesteuert. Lokale A-Artikel werden dann zentral nicht erkannt.
  • ABC- und XYZ-Analyse werden vermischt. Wertanteil und Bedarfsschwankung sind zwei unterschiedliche Achsen. Sauber getrennt rechnen, dann erst kombinieren.

So unterstützt Heptic

Heptic Inventory klassifiziert dein Sortiment automatisch nach ABC-Wertanteil über deine gewählte Periode. Die Inventur-Frequenz lässt sich pro Klasse hinterlegen, sodass dein Team automatisch die richtigen Artikel zur richtigen Frequenz zählt. Heptic Intelligence zeigt zusätzlich die Verschiebungen zwischen Klassen pro Standort und pro Periode. Wechselt ein C-Artikel innerhalb eines Quartals in die A-Klasse, etwa nach einem Karten-Update, schlägt das Dashboard auf. So bleibt die Klassifikation immer aktuell und Inventur-Aufwand wandert dorthin, wo er sich rechnet. Wie die Klassifikation in eine systematische Wareneinsatz-Senkung eingebettet wird, beschreibt der Beitrag Wareneinsatz senken: 7 Maßnahmen.

Formel

Wertanteil = (Wareneinsatz Artikel / Gesamt-Wareneinsatz) × 100[%]
Wareneinsatz Artikel
= Verbrauchswert eines einzelnen Artikels in der Periode, in Euro
Gesamt-Wareneinsatz
= Verbrauchswert aller Artikel der Periode, in Euro
Beispiel A-Artikel Rindfleisch: (8.400 € / 30.000 €) × 100 = 28 %

Branchenrichtwert

Typische ABC-Verteilung — Branchenrichtwerte (%)
SegmentTypischSpannweite
A-Artikel (Top-Wert)75%7080%
B-Artikel (Mittel)17%1520%
C-Artikel (Long-Tail)8%515%
Quelle: Klassische Pareto-Verteilung, bestätigt durch Heptic-Auswertung 150+ Standorte, Mai 2026

Häufige Fragen

Was ist die ABC-Analyse in der Gastronomie?
Du sortierst alle Wareneinsatz-Artikel nach absteigendem Wertanteil und teilst sie in drei Klassen. A-Artikel sind die wenigen Artikel, die den größten Teil deines Wareneinsatzes ausmachen, typisch 70 bis 80 Prozent. B-Artikel decken den mittleren Bereich ab, meist 15 bis 20 Prozent. C-Artikel sind der Long-Tail mit dem kleinsten Wertanteil. Daraus leitest du ab, welche Artikel die meiste Aufmerksamkeit in Einkauf, Inventur und Kalkulation brauchen.
Wie unterscheidet sich die ABC-Analyse von der XYZ-Analyse?
Die ABC-Analyse klassifiziert nach Wertanteil am Wareneinsatz. Die XYZ-Analyse klassifiziert nach Bedarfsschwankung über die Zeit, also wie konstant ein Artikel verbraucht wird. X steht für gleichmäßigen Verbrauch, Y für saisonal schwankend, Z für unregelmäßig. Beide Analysen kombiniert ergeben eine Matrix mit neun Feldern. Ein AX-Artikel ist hochwertig und konstant nachgefragt, also der wichtigste Steuerungsfall. Ein CZ-Artikel ist geringwertig und unregelmäßig, hier reicht eine einfache Mindestmenge.
Wie oft sollte die ABC-Analyse aktualisiert werden?
In Multi-Standort-Betrieben üblich ist eine Quartals-Aktualisierung. Sortimentswechsel, Karten-Updates und saisonale Verschiebungen ändern die Klassenzugehörigkeit einzelner Artikel. Wer Karten häufiger anpasst, schaut monatlich auf die A-Artikel. Heptic Intelligence rechnet die Klassifikation rollierend, sodass Verschiebungen zwischen den Klassen früh sichtbar werden.
Reicht eine Inventur pro Quartal bei C-Artikeln?
Bei klassischen C-Artikeln mit geringem Wertanteil und geringer Schwund-Anfälligkeit kann eine Quartals-Inventur ausreichen. Bei A-Artikeln ist wöchentliche oder zweiwöchige Inventur Standard, weil ein Prozent Schwund hier hohe absolute Werte bedeutet. Die Inventur-Frequenz richtet sich nach Wertanteil und Verderb-Risiko, nicht nach Stückzahl. Diese Logik spart Inventur-Zeit, ohne Kontrolle zu verlieren.
Welche Artikel sind typisch A-Artikel in der Gastronomie?
In Vollservice-Konzepten sind das meist Fleisch, Fisch, Premium-Käse und Spirituosen mit hohem Stückpreis. In QSR-Konzepten dominieren Hauptkomponenten wie Patties, Brötchen, Pommes und die wichtigsten Getränke-Linien. In Café-Konzepten oft Kaffee, Milch und Backwaren. A-Artikel sind selten mehr als 20 bis 30 Artikel pro Konzept, machen aber den Großteil deines Wareneinsatzes aus.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026

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