Material Yield
Definition
Der Material Yield zeigt dir, wie viel von einer Rohware nach der Vorbereitung tatsächlich auf dem Teller landen kann. Du wiegst das Brutto-Gewicht beim Wareneingang und das Netto-Gewicht nach dem Putzen. Aus dem Verhältnis ergibt sich der Yield in Prozent. Diese Kennzahl ist die unsichtbare Schicht zwischen Einkaufspreis und Foodcost.
Ein Rinderfilet von einem Kilogramm Brutto liefert nach dem Parieren rund 850 Gramm Filet. Der Material Yield liegt damit bei 85 Prozent. Den Verlust musst du auf den Einkaufspreis schlagen, sonst rechnet deine Rezeptkalkulation systematisch zu niedrig. Bei einem Filet-Einkaufspreis von 38 Euro pro Kilo zahlst du faktisch 44,70 Euro pro verarbeitbarem Kilo. Dieser Aufschlag entscheidet, ob das Gericht Marge trägt.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Gar-Yield. Material Yield endet vor dem Herd. Der Gar-Verlust kommt separat dazu und schwankt je nach Garverfahren, Temperatur und Zeit. Wer beide Größen vermischt, verliert die Steuerbarkeit. Material-Verluste hängen von Einkaufsqualität und Schneide-Skills ab. Gar-Verluste hängen von Geräten und Garzeiten ab. Beide brauchen eigene Maßnahmen.
Der Yield ist eng mit dem Wareneinsatz und dem Schwund verknüpft. Eine schlechte Yield-Annahme zeigt sich am Monatsende als unerklärbare Wareneinsatz-Lücke. Wer den Yield laufend trackt, erkennt die Ursache schneller und kann gezielt am Einkauf oder am Prozess ansetzen.
Auch der Bezug zur Inventur ist wichtig. Bei der Bewertung von Halbfertigware musst du klar definieren, ob du Brutto-Gewicht (vor Yield) oder Netto-Gewicht (nach Yield) erfasst. Mischformen führen zu Bewertungsfehlern und verzerren den Wareneinsatz.
Praxisbeispiel
Eine Steakhouse-Kette mit acht Standorten kalkulierte ihr Premium-Filet seit Jahren mit dem Brutto-Einkaufspreis von 36 Euro pro Kilo. Der reale Yield lag bei 82 Prozent, weil ein Lieferant unsauber pariertes Fleisch lieferte. Der echte Materialpreis betrug damit 43,90 Euro pro Kilo, nicht 36 Euro. Bei 220 Gramm Portion lag der reale Wareneinsatz bei 9,66 Euro statt 7,92 Euro pro Teller.
Über alle acht Standorte und 28.000 verkaufte Filet-Portionen im Jahr ergab das eine Lücke von rund 48.700 Euro. Der Operations-Manager startete einen Yield-Test über drei Wochen mit dem aktuellen und einem zweiten Lieferanten. Der neue Lieferant erreichte 88 Prozent Yield bei einem Brutto-Preis von 37,50 Euro. Der reale Materialpreis sank auf 42,60 Euro pro Kilo.
Parallel führte das Team eine wöchentliche Yield-Stichprobe ein, dokumentiert per Foto und Waage-Wert. Nach drei Monaten waren die Yield-Werte aller acht Standorte innerhalb einer Spannweite von zwei Prozentpunkten. Der Verkaufspreis wurde nicht erhöht, die Bruttomarge pro Filet-Gericht stieg um 1,74 Euro. Auf Jahressicht entsprach das rund 48.700 Euro Einsparung.
Ein zweiter Effekt zeigte sich beim Putz-Reste-Programm. Die Parüren wurden ab Monat zwei systematisch in einem Tatar-Special und in einem hausgemachten Rinderfond verwertet. Der Tatar-Special verkaufte sich rund 30 Mal pro Woche pro Standort. Der zusätzliche Deckungsbeitrag lag bei rund 4,10 Euro pro Portion. Auf Jahressicht und alle acht Standorte gerechnet kamen weitere 51.000 Euro hinzu. Aus einer reinen Kostensicht wurde damit ein zusätzlicher Umsatztreiber.
Ein dritter Effekt war kultureller Natur. Die Küchenchefs hatten vorher den Yield als reine Backoffice-Zahl wahrgenommen. Mit dem wöchentlichen Foto-Beweis und der Transparenz über Standorte wurde der Yield ein Stolzpunkt. Der beste Standort hatte 87,4 Prozent Yield, der schlechteste 81 Prozent. Best-Practice-Workshops zwischen Standorten brachten den Schnitt innerhalb eines Quartals nach oben.
Häufige Fehler
- Yield wird nur einmal getestet, dann nie mehr aktualisiert. Lieferantenwechsel oder Qualitätsschwankungen bleiben unsichtbar und fressen schleichend Marge.
- Material- und Gar-Yield werden vermischt. Du verlierst die Trennschärfe und kannst nicht erkennen, ob das Problem im Einkauf oder im Garverfahren liegt.
- Putz-Reste werden nicht verwertet. Parüren, Knochen und Gemüse-Schalen wandern in den Müll, obwohl sie als Fond, Tatar oder Mitarbeiteressen Wert haben.
- Die Crew kalkuliert mit gerundeten Yield-Werten aus dem Internet. Echte Werte für deinen Lieferanten und deine Crew liegen oft fünf bis zehn Prozentpunkte daneben.
- Yield-Werte werden nicht an die Rezeptkalkulation gekoppelt. Im POS steht ein veralteter Materialpreis, im Reporting sieht der Wareneinsatz höher aus als die Erwartung.
Yield in der Rezeptkalkulation
In der Rezeptkalkulation wird der Yield als Faktor zwischen Einkaufspreis und Rezeptpreis hinterlegt. Ein Rinderfilet mit 85 Prozent Yield und 38 Euro Einkaufspreis pro Kilo ergibt einen Netto-Materialpreis von 44,70 Euro pro Kilo. Bei einer 220-Gramm-Portion sind das 9,83 Euro Materialkosten pro Teller. Diese Zahl ist die Grundlage für die Verkaufspreisbildung und für die Foodcost-Quote pro Gericht.
Bei zusammengesetzten Rezepten verkettest du mehrere Yields. Ein Beef-Tartar mit Schalotten, Petersilie und Kapern hat drei oder vier Rohstoffe, jeder mit eigenem Yield. Die Kalkulation rechnet jedes Element separat und summiert die Netto-Materialkosten. Wer das händisch in Excel macht, riskiert Fehler. Software hilft, weil sie den Yield-Faktor zentral pflegt und alle Rezepte automatisch neu rechnet, sobald sich Einkaufspreis oder Yield ändert.
Wichtig ist die regelmäßige Aktualisierung. Yields ändern sich bei Lieferantenwechsel, Sortenwechsel (etwa bei Saison-Gemüse) oder bei Qualitätsschwankungen. Ein einmal hinterlegter Yield-Wert wird nach 18 Monaten ungenau, wenn niemand ihn überprüft. Eine jährliche Yield-Revision aller A-Artikel (Top-20 Rohstoffe nach Einkaufsvolumen) ist ein guter Standard. Bei stark schwankenden Produkten wie Fisch oder Saison-Gemüse lohnt sich eine Quartals-Revision.
So unterstützt Heptic
Heptic Inventory hinterlegt für jede Rohware einen Yield-Faktor je Lieferant. Die Rezeptkalkulation rechnet automatisch mit dem realen Netto-Preis, nicht mit dem Brutto-Einkauf. Yield-Stichproben laufen als geführte Routine auf dem Tablet, inklusive Foto-Beweis und Waage-Eingabe. Heptic Intelligence zeigt Yield-Abweichungen zwischen Standorten und Lieferanten in einem Dashboard. So wird aus einer einmaligen Annahme eine laufende Steuerungsgröße. Lieferantenwechsel und Qualitätsschwankungen fallen früh auf, nicht erst im Monats-Reporting.
Formel
Yield = verarbeitbares Gewicht ÷ Eingangs-Gewicht × 100[%]- Eingangs-Gewicht
- = Brutto-Gewicht der Rohware bei Wareneingang, inklusive nicht verwertbarer Anteile
- verarbeitbares Gewicht
- = Netto-Gewicht nach Putzen, Parieren, Entgräten oder Schälen, vor dem Garen
Branchenrichtwert
| Segment | Typisch | Spannweite |
|---|---|---|
| Rinderfilet (pariert) | 85% | 78–90% |
| Lachsfilet mit Haut | 65% | 58–72% |
| Hähnchenbrust (entbeint) | 75% | 70–82% |
| Blattsalat (geputzt) | 70% | 60–80% |
| Kartoffel (geschält) | 80% | 75–85% |
| Karotten (geputzt) | 85% | 80–92% |
Häufige Fragen
- Material Yield erfasst nur den Verarbeitungsverlust vor dem Garen. Das ist der Anteil, der beim Putzen, Parieren oder Schälen abfällt. Der Gar-Verlust (Cooking Yield) wird separat gerechnet, weil er stark vom Garverfahren abhängt. Ein Rinderfilet hat typisch 85 Prozent Material Yield und zusätzlich rund 75 Prozent Gar-Yield. Der Gesamt-Yield bis zum Teller liegt damit bei rund 64 Prozent.
- Ohne Yield rechnest du mit dem Einkaufspreis pro Kilogramm Rohware. Verkaufst du aber nur 850 Gramm pro Kilogramm, ist dein realer Wareneinsatz 17,6 Prozent höher als die Kalkulation zeigt. Bei teurem Fleisch summiert sich das schnell auf vier- bis fünfstellige Beträge pro Jahr. Saubere Rezeptkalkulation rechnet immer mit Netto-Yield, nicht mit Brutto-Einkaufspreis.
- Du brauchst eine Küchenwaage und eine kurze Testreihe. Wiege drei bis fünf Rohwaren-Chargen vor und nach der Verarbeitung. Notiere Brutto-Gewicht, Netto-Gewicht und den Verlust in Gramm. Aus dem Durchschnitt ergibt sich dein realer Yield. Wiederhole die Messung jährlich oder bei Lieferantenwechsel. Bei Premium-Produkten wie Rinderfilet lohnt sich ein Test je Lieferant, weil die Qualität stark schwankt.
- Drei Hebel wirken am stärksten. Erstens die Lieferantenqualität, weil schlecht pariertes Fleisch bis zu zehn Prozent mehr Abfall produziert. Zweitens die Schneide-Skills deiner Crew, hier helfen geführte Trainings mit Video-Referenz. Drittens die Verwertung von Resten, etwa Parüren für Fond oder Tatar. Wer Putz-Reste systematisch verwertet, hebt den effektiven Yield um drei bis fünf Prozentpunkte.
Was zählt zum Material Yield?
Warum ist der Material Yield für die Kalkulation entscheidend?
Wie messe ich den Yield in meinem Betrieb?
Wie verbessere ich einen schlechten Yield?
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026