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Kennzahl

Speisekarten-Engineering

Definition

Speisekarten-Engineering, im englischen Sprachraum Menu Engineering, ordnet jedes Gericht einer Karte zwei Werten zu. Erstens dem Deckungsbeitrag pro Verkauf, also Verkaufspreis abzüglich variabler Kosten wie Foodcost. Zweitens der Verkaufshäufigkeit relativ zum Karten-Durchschnitt im selben Zeitraum.

Aus diesen zwei Achsen entstehen vier Quadranten. Stars liegen über dem Durchschnitt in beiden Werten. Plowhorses verkaufen sich häufig, bringen aber unterdurchschnittlichen Deckungsbeitrag. Puzzles haben hohen Deckungsbeitrag, finden aber selten den Weg auf den Bon. Dogs sind in beiden Werten unterdurchschnittlich.

Die Methode wurde in den 1980er-Jahren von Michael Kasavana an der Michigan State University formalisiert und ist heute Standard in der internationalen Systemgastronomie. Sie ersetzt das Bauchgefühl bei Karten-Entscheidungen durch eine Zahl pro Gericht.

Wichtig ist die Abgrenzung zur reinen Margen-Analyse. Eine klassische Kalkulation zeigt dir, welches Gericht pro Portion am meisten Marge bringt. Das Speisekarten-Engineering verbindet diese Sicht mit dem tatsächlichen Verkaufsverhalten der Gäste und macht damit aus einer statischen Rechnung eine dynamische Steuerung. Eine ähnliche Logik nutzt die Wareneinsatzquote auf Standort-Ebene, das Speisekarten-Engineering bringt sie auf Gericht-Ebene.

Methodik im Multi-Standort-Betrieb

Für eine valide Analyse brauchst du drei Datenströme pro Standort und pro Zeitraum. Verkaufszahlen aus dem POS pro Gericht, aktuelle Rezeptkalkulation pro Gericht und Verkaufspreis pro Gericht. Daraus rechnest du den Deckungsbeitrag pro Portion und die relative Verkaufshäufigkeit.

Der Karten-Durchschnitt ist die Vergleichslinie. Verkauft sich ein Gericht öfter als der Durchschnitt aller Karten-Gerichte im gleichen Zeitraum, ist es ein Topseller. Liegt es zusätzlich über dem durchschnittlichen Deckungsbeitrag, ist es ein Star. So bekommt jedes Gericht eine eindeutige Quadranten-Zuordnung.

Eine typische Verteilung in gesunden Konzepten zeigt 15 bis 25 Prozent Stars, 25 bis 35 Prozent Plowhorses, 15 bis 20 Prozent Puzzles und 25 bis 35 Prozent Dogs. Wer mehr als 40 Prozent Dogs auf der Karte hat, schleppt totes Sortiment mit. Wer fast nur Plowhorses sieht, hat ein Margen-Problem in der Kalkulation, kein Sortiments-Problem.

In der Multi-Standort-Sicht spannt sich das Bild auf. Ein Gericht kann in einem Standort Star sein und in einem anderen Dog. Diese Spreizung ist eine eigene Erkenntnis. Sie zeigt, dass Karten in verschiedenen Lagen unterschiedlich performen und nicht zentral identisch gesteuert werden müssen.

Vier Hebel stehen pro Quadrant zur Verfügung. Stars werden auf der Karte hervorgehoben und in der Personalschulung als Empfehlung verankert. Plowhorses werden über Portion, Beilagen oder kleine Preisanpassung in Richtung Star bewegt. Puzzles bekommen mehr Karten-Sichtbarkeit, etwa über Position, Auszeichnung oder Service-Empfehlung. Dogs werden geprüft und im Regelfall ersetzt. Diese Hebel sind dieselben, ob es sich um eine einzelne Karte oder um eine standortübergreifende Linie handelt. Was sich unterscheidet, ist die Datenbasis und der Anwendungsbereich. Wer die Karten-Steuerung mit einer ABC-Analyse auf Wareneinsatz-Ebene koppelt, sieht doppelt scharf.

Ein häufig übersehener Punkt ist die Karten-Architektur. Position eins und Position zwei in einer Sektion bekommen rund 30 Prozent mehr Aufmerksamkeit als die mittleren Positionen. Wer Puzzles auf Spitzenpositionen setzt, kann sie ohne Kalkulationsänderung in Stars verschieben. Wer Stars in der Karten-Mitte versteckt, verschenkt Mix-Anteil. Diese Optik-Steuerung gehört zur Methode dazu und ist ein eigener Hebel neben der Kalkulation.

Praxisbeispiel

Eine Burger-Kette mit 9 Standorten lief mit einer einheitlichen Karte und einer Quartals-Analyse. Bei der ersten sauberen Auswertung über 12 Wochen zeigte sich, dass der Truffle-Burger als Star geplant war, aber in 5 von 9 Standorten als Puzzle landete. Verkaufshäufigkeit lag bei 4 Prozent vom Mix, Zielwert 8 Prozent. Deckungsbeitrag pro Portion lag mit 8,40 Euro klar über dem Karten-Durchschnitt von 6,10 Euro.

Die Analyse der Karte zeigte zwei Hebel. Der Truffle-Burger stand auf Position sieben in der Burger-Sektion und wurde optisch nicht hervorgehoben. Nach Repositionierung auf Position zwei und einer einfachen Karten-Auszeichnung als Empfehlung stieg der Mix-Anteil in 6 Wochen auf 9,2 Prozent. Bei 11.000 Burger-Bestellungen pro Monat über alle Standorte entsprach die Verschiebung rund 16.500 Euro zusätzlichem Deckungsbeitrag pro Monat.

Parallel wurden zwei Salat-Varianten als Dogs identifiziert. Mix unter 1 Prozent, Deckungsbeitrag pro Portion unterdurchschnittlich, Reklamationsquote überdurchschnittlich. Der Operations-Manager ersetzte beide durch eine neue Bowl-Variante, die nach 8 Wochen als Puzzle einsortierte und in zwei Standorten als Star.

Häufige Fehler

  • Analyse läuft auf zu kurzen Zeiträumen. Wer eine Woche auswertet, sieht Zufall statt Trend. Mindestens 4 Wochen pro Periode sind notwendig.
  • Rezeptkalkulation ist veraltet. Steigen die Einkaufspreise, sinkt der Deckungsbeitrag, ohne dass die Matrix das zeigt. Rezepte mindestens quartalsweise nachpflegen.
  • Karten-Optik wird nicht in die Bewertung einbezogen. Ein Puzzle auf Position eins der Karte ist ein anderes Phänomen als ein Puzzle auf Position zwölf.
  • Standorte werden ohne Lage-Kontext verglichen. Ein Standort mit hohem Lunch-Anteil hat eine andere Karten-Logik als ein Abend-Standort und braucht eine eigene Matrix pro Tagesabschnitt.
  • Streich-Entscheidungen werden allein aus der Matrix getroffen. Strategische Karten-Gerichte wie eine vegane Option oder ein lokaler Klassiker brauchen eine zusätzliche Bewertungsebene.
  • Beilagen und Aufschläge fließen nicht in die Kalkulation ein. Ein Gericht mit hohem Mix-Anteil bei kostenpflichtigen Side-Bestellungen sieht im Deckungsbeitrag pro Hauptgericht falsch aus, wenn die Bons nicht zusammengeführt werden.
  • Reklamations- und Retouren-Quote pro Gericht bleibt außerhalb der Bewertung. Ein Star mit hoher Retoure verursacht versteckte Kosten, die in der reinen Verkaufsmatrix nicht erscheinen.

So unterstützt Heptic

Heptic Intelligence führt POS-Verkaufsdaten, Rezeptkalkulation aus Heptic Inventory und aktuelle Einkaufspreise pro Standort zusammen. Die Vier-Felder-Matrix wird pro Standort, pro Tagesabschnitt und pro Karten-Sektion berechnet. Verschiebungen zwischen den Quadranten sind über Perioden hinweg sichtbar. Multi-Standort-Betriebe erkennen damit auf einen Blick, welche Gerichte auf welcher Karte zu welcher Tageszeit funktionieren und wo die Karte stillen Margenverlust produziert. Eine vertiefte Einordnung der Karten-Steuerung in die operative Kostensicht findest du im Beitrag Kennzahlen in der Gastronomie.

Häufige Fragen

Was ist Speisekarten-Engineering einfach erklärt?
Du bewertest jedes Karten-Gericht nach zwei Dimensionen. Wie hoch ist der Deckungsbeitrag pro Verkauf und wie oft verkauft sich das Gericht relativ zum Karten-Durchschnitt. Aus dieser Matrix entstehen vier Felder. Stars verkaufen sich oft und bringen viel Deckungsbeitrag. Plowhorses verkaufen sich oft, bringen aber wenig. Puzzles bringen viel, verkaufen sich aber selten. Dogs verkaufen sich selten und bringen wenig. Die Methode kommt aus der US-Hotellerie und ist heute Standard in der internationalen Systemgastronomie.
Wie oft sollte ich die Karten-Analyse machen?
In Multi-Standort-Betrieben üblich ist eine Vollanalyse pro Saison, also vier Mal pro Jahr. Wer aktiv steuert, schaut zusätzlich monatlich auf Verschiebungen einzelner Topseller. Wichtig ist Konsistenz im Auswertungszeitraum. Vergleiche Sommerwochen nicht direkt mit Adventswochen, sonst verzerren saisonale Lieblingsgerichte das Bild. Heptic Intelligence rechnet die Matrix pro Standort automatisch und zeigt Trends über mehrere Perioden.
Was unterscheidet einen Plowhorse von einem Star?
Beide verkaufen sich überdurchschnittlich oft. Der Star bringt aber einen überdurchschnittlichen Deckungsbeitrag pro Portion, der Plowhorse einen unterdurchschnittlichen. Der Plowhorse ist meist ein Zugpferd auf der Karte, das Gäste anzieht, aber bei jeder Bestellung Marge kostet. Der typische Reflex, ihn zu streichen, ist falsch. Erst Portion, Beilagen oder Verkaufspreis prüfen. Oft reicht eine kleine Karten-Optik-Änderung oder ein angepasster Side-Aufschlag, um den Plowhorse zum Star zu entwickeln.
Was mache ich mit Dogs auf der Karte?
Dogs verkaufen sich selten und bringen pro Portion wenig. In den meisten Fällen gehören sie von der Karte. Ausnahmen sind Gerichte mit strategischem Wert, etwa eine vegane Option für die Sortimentsbreite oder ein Klassiker für Stammgäste. Vor dem Streichen prüfst du, ob die geringe Verkaufshäufigkeit am Gericht selbst oder an seiner Platzierung auf der Karte liegt. Eine Repositionierung in der Karten-Hierarchie verschiebt Dogs in vielen Fällen in Puzzles. Erst danach folgt die Streich-Entscheidung.
Brauche ich Software für Speisekarten-Engineering?
Eine Erstanalyse geht in Excel, wenn du Rezeptkalkulation und POS-Verkaufszahlen sauber zusammenführst. Für Multi-Standort-Betriebe wird das schnell unübersichtlich. Sobald mehrere Standorte parallel und mit eigenen Karten-Varianten laufen, lohnt sich eine Lösung, die POS, Rezepte und Einkaufspreise automatisch verknüpft. Heptic Intelligence rechnet die Matrix pro Standort und pro Tagesabschnitt, sodass du Mittags- und Abendkarten getrennt steuerst.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026

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